Na klar: Streitigkeiten treten an jeder Schule auf. Viele Konflikte
lösen unsere Schülerinnen und Schüler selbst. Es
gibt dazu Regeln und Klassenseminare
mit streitlösenden
und -verhindernden Trainings. Seit einigen Jahren haben wir
zudem das Team der Streit-Schüler-Schlichter.
Schule und Elternhaus sehen sich diesem steigenden Gewaltpotential
oft hilflos ausgesetzt und fühlen sich immer häufiger
überfordert.
Dabei gehören Konflikte und daraus resultierende Streitigkeiten
durchaus zu einem menschlichen Miteinander.
Da jede Schule eine bunte Ansammlung unterschiedlichster Individuen
darstellt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass Meinungsverschiedenheiten
auch hier an der Tagesordnung sind.
Im Schulalltag sieht es in der Regel so aus, dass unter Zeitdruck
stehende Lehrkräfte die Streithähne auseinanderbringen,
ein Machtwort sprechen und zügig Strafen verhängen.
Gelöst ist der Konflikt auf gar keinen Fall, zurück
bleiben meist Gefühle wie Wut, Enttäuschung und der
Wunsch nach Rache. Die nächste Konfrontation ist vorprogrammiert
- eine für alle Parteien unbefriedigende Situation!
In der Regel verhalten sich Schüler so, wie sie es z.B. in
den Medien tagtäglich erfahren: Konfliktlösung"
durch Gewalt und Zerstörung. Andere Formen wie z.B. Gespräche
sind den jungen Menschen in vielen Fällen nicht bewusst,
zu anstrengend oder sie gelten als "uncool".
Hier bietet die Schüler-Streit-Schlichtung eine bemerkenswerte
Alternative. Die Schülerinnen und Schüler haben die
Chance, ihre Gedanken und Gefühle auszusprechen, ohne unterdrückt
oder abgewürgt zu werden. Insbesondere sollen sie erkennen,
dass Konflikte auch gewaltfrei gelöst werden können.
Ziel hierbei ist das Erlernen einer Streitkultur, die allmählich
zu einer Verbesserung des Schulklimas führt.
Die Teams bestehen aus jungen Menschen der Jahrgangsstufe 10, die sich zu Beginn des 9. Schuljahres im Rahmen der Wahl-Pflicht-Arbeitsgemeinschaften für den Bereich "Streitschlichtung" entschieden und diesen als Unterrichtsfach gewählt haben. Sie durchlaufen ein einjähriges Trainingsprogramm, welches sie befähigt, professionell mit den Streitigkeiten jüngerer Schüler umzugehen.
Bei Streitigkeiten haben Schüler und Schülerinnen
der RKR die Möglichkeit, sich in den großen Pausen
im Schlichtungsraum einzufinden. Dort werden sie von zwei Schülerinnen
bzw. Schülern der oberen Jahrgänge erwartet. Dieses
Schlichtungsteam hilft ihnen, eine für beide Streitparteien
befriedigende Lösung zu finden.
Es hat dabei hauptsächlich eine moderierende Funktion, keinesfalls
jedoch die eines Richters. Absolute Unparteilichkeit ist ein Muss,
eine vertrauliche Atmosphäre soll das Schlichtungsgespräch
unterstützen.
Jedes Gespräch verläuft unter bestimmten Voraussetzungen
(keine erneuten Beleidigungen oder Provokationen etc....). Dabei
soll jede Konfliktpartei die Situation überdenken und den
eigenen Anteil an dem Streit erkennen.
Dies führt dazu, dass die Streitparteien eine Lösung
des Problems selbst erarbeiten.
Die Ausbildung zur Schüler-Streit-Schlichterin befähigt
die Schüler, nicht nur ein gutes Schlichtungsgespräch
zu führen. Sie lernen zudem in der Auseinandersetzung mit
den Streitenden, Strategien der Kommunikation zu erkennen und
anzuwenden.
Fähigkeiten, wie sich einfühlen, zuhören, neutral
bleiben, verbale und nonverbale Kommunikationsformen erkennen,
sind Schlüsselqualifikationen in dem Bereich der Sozialkompetenz,
die den Streitschlichtern auch im späteren Berufsleben zugute
kommen.
Die Streitenden entwickeln mit der Zeit eine größere
Selbstverantwortung, da sie sich selbst und aktiv um eine für
beide Seiten zufriedenstellende Lösung der Streitigkeit bemühen
müssen. Die aktive Auseinandersetzung mit der Situation bewirkt
somit ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit und sozialer
Kompetenz.
Das Konzept der Streitschlichtung durch Schülerinnen und
Schüler trägt somit - abgesehen von der Schlichtung
aktueller Streitigkeiten - langfristig zu einem verbesserten Kommunikationsklima
in der Schülerschaft bei.